Über die Kalkbrut, aus meiner Erfahrung und jahrzehntelanger Beobachtung

Die Kalkbrut ist eine Brutkrankheit der Bienen, hervorgerufen durch den Pilz Ascoshaere Apis, sie beschäftigt seit Jahren wieder verstärkt Wissenschaft und Forschung. Einige Leser meines Buches: „Mein Leben mit den Bienen“ fragten an, ob ich evtl. doch mehr zu diesem Thema sagen kann. In meinem Buch hatte ich auf einschlägige Literatur in Sachen „Bienenkrankheiten“ verwiesen und an passenden Stellen auf eine mögliche Ursache für die Entstehung der Kalkbrut hingewiesen. Dieses Versäumnis möchte ich mit diesem Beitrag beheben. Der Anlass zur Darstellung meiner Beobachtungen über die Entstehung der Kalkbrut, ist auch ein Beitrag von Prof. Dr. Kaspar Bienefeld, vom Institut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf. Im Deutschen Bienenjournal Nr.11/2010 Seite 16-18 ist zu lesen: „Ist die Anfälligkeit gegenüber Kalkbrut bei den Bienen erblich?“ Ein rein wissenschaftlicher Beitrag, der den Imkern m.E. aber keine brauchbare Hilfe zur Verhinderung der Kalkbrut gibt. „Nichts Genaues weiß man nicht!“ Darum möchte ich meine Beobachtungen, die ich in vielen Jahrzehnten über die Kalkbrut gemacht habe, hier den interessierten Imkern darstellen.

Erlebnisse mit der Kalkbrut

Nach dem Aufbau meiner eigenen Imkerei 1945 nach dem Krieg, hatte ich in den nächsten Jahren gleich die Kalkbrut in meinen Völkern. Ich hatte wie damals üblich, Blätterbeuten gewählt, jedoch mit 8 Waben im Brutraum, 4 Waben im Seitenraum und 14 Waben im Honigraum. Die Einheitsblätterbeute mit je 10 D-Normalmaß-Waben im Brut- und Honigraum, erschien mir, durch meine Vorkenntnisse, als nicht geeignet. In dem kleinen Brutraum meiner Blätterbeuten konnten die Bienen, trotz der üblichen Schwäche im zeitigen Frühjahr, die Brutnesttemperatur einigermaßen stabil halten. Die damalige Lehre der Volkseinengung war der Grund dieser anfänglichen Schwäche im Frühjahr. Es wurde gelehrt: nach Trachtende und nach dem Abschleudern des letzten Honigs, musste der Honigraum geschlossen und die Verpackung eingelegt werden. Die vielen „unnützen Fresser“ wie man es damals nannte, sollten so vom Volk abgetrieben werden! Man nahm aber damit dem Volk die Möglichkeit, viele langlebige Winterbienen aufzuziehen. Die Folge war: schwache Völker im Frühjahr, die dann eine lange Anlaufzeit bis zur Honigraumreife benötigten. Ich versuchte zunächst auch, mit „empfohlenen Maßnahmen“ die Völker früher in den Honigraum zu bekommen. Dieses frühe herumstochern im Brutraum, brachte jedoch für eine schnellere Entwicklung der Völker - nichts - störte aber den Wärmehaushalt im Brutraum und die Kalkbrut trat jetzt verstärkt auf! Erst nachdem ich mich über die „Lehre der Volkseinengung“ hinwegsetzte, die ausgeschleuderten Waben in den offenen Honigraum zurückstellte und keine Futterknappheit aufkommen ließ, ermöglichte ich den Völkern, viele langlebige Winterbienen aufzuziehen. Nun winterten meine Völker stärker aus und ich brauchte im zeitigen Frühjahr nicht mehr im Brutraum herumzustochern. Damit war die Kalkbrut in meinen Völkern verschwunden und trat bis zum Ende meiner Blätterstockimkerei nicht mehr auf. Das eindeutige Ergebnis dieser Betriebsweise: „Ein schlechter und gestörter Wärmehaushalt im Brutraum ermöglicht dem Kalkbrutpilz die Ausbreitung“.

Der zweite Kontakt mit der Kalkbrut

Das nächste Auftreten der Kalkbrut in viel stärkerer Form, hatte einen anderen Ursprung, zeigte aber auch in die gleiche Richtung: Kalkbrut ist Kaltbrut! Meine Frau und ich beschlossen im Jahr 1969 eine Berufs- und Wanderimkerei aufzubauen. Wir kauften einen großen Bienenstand, dessen Besitzer verstorben war. In der Wanderimkerei noch unerfahren befolgte ich leider den Rat eines „Imkerlehrers“. Er empfahl mir, für die Wanderimkerei die Trogbeute zu wählen! In dem gekauften Bienenstand waren überwiegend Völker in Kuntschmaß -Kästen vorhanden. Darum wählten wir dieses Maß in der Hochform für die Trogbeuten. In dem gekauften Bienenstand war die Kalkbrut zuhause, worauf ich leider nicht gleich geachtet hatte. Nach dem Umsetzen, eines Teils dieser Völker in die Trogbeuten, waren im nächsten Jahr mehrere von der Kalkbrut befallen. Drei davon so stark, dass sie umgeweiselt werden mussten, nach der damaligen und auch heute noch verbreiteten Lehrmeinung. Eines davon war so stark geschwächt, dass die Bienen nicht mehr in der Lage waren, die vielen Mumien hinauszutragen, die den Beutenboden bedeckten. Ich entnahm nun diesem geschwächten Volk alle Brutwaben und vernichtete sie. Danach gab ich den 3 Völkern je zwei überwiegend verdeckelte Brutwaben aus einem scheinbar gesunden Volk. Die drei Völker mussten sich nun eine neue Königin ziehen und die drei neuen Königinnen gingen auch gleich in Eiablage. Diese drei Völker wurden vorrangig in die neuen Flachzargenmagazine umgesetzt.

Die neuen Flachzargenmagazine, endlich vollkommen frei von der Kalkbrut

Zu unserem Glück lernten wir noch rechtzeitig das Zander-Flachzargenmagazin kennen. Mit den Maßen:170x420 mm wurde es das ideale Magazin für unsere Berufs- und Wanderimkerei. Im Winter baute ich die erste Serie Magazine. In der Folgezeit wurden nach und nach alle Völker aus den Blätter- und Trogbeuten in die Flachzargenmagazine umgewohnt. Danach war die Kalkbrut vollständig verschwunden und ist bis heute nie wieder aufgetreten. Das ist mir ein eindeutiger Beweis, dass mit den flachen Waben eine bienengerechte Völkerführung möglich ist und viel schonender und ohne Wärmeverlust die Völker erweitert werden können. Schlechte und schwankende Wärmeverhältnisse im Brutraum, wie es bei Völkern auf hohen Waben oft der Fall ist, sind immer eine Ursache für die Ausbreitung der Kalkbrut. Vor allem, wenn bei den Rähmchen-Oberträgern dicke Balken und bei der Honigraumfreigabe Absperrgitter mit Rahmen verwendet werden. Da sind einmal die hohen Waben und der wabenlose Raum bis zu den Honigraum-Waben, viel zu wärme zehrend. Hier ist auch noch die Volksstärke für den Wärmeverlust entscheidend, die schwächeren Völker sind nicht in der Lage die erforderliche Hygiene im Brutraum zu erhalten. Ich glaube nicht an eine genetisch bedingte Übertragung des Kalkbrutpilzes durch die Königin. Auch wenn durch das Entfernen der Königin, in diesem Volk die Kalkbrut verschwindet, hat es m.E. eine andere Ursache: Zum Einen wird dabei auch der Raum, der Volksstärke besser angepasst und durch das Verschwinden der offenen Brut entstehen auch andere Wärmeverhältnisse im Brutraum. Zum Anderen können die Ammenbienen den Kalkbrutpilz nicht mehr übertragen, denn der Reinigungstrieb der Bienen putzt alles hinaus. Wäre das nicht so, hätte die Kalkbrut bei meinen Völkern auf den flachen Waben wieder erscheinen müssen, denn bei meinen kalkbrutbefallenen Völkern von 1969, habe ich die jungen Königinnen aus der Brut dieser Völker aufziehen lassen. Die Kalkbrut kann nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen nicht erblich sein. Genauso ist das mit dem Auftreten der Kalkbrut bei Inzucht–geschädigten Völkern. Hier ist nicht die Inzucht der Völker der Überträger, sondern die Schwäche, ausgelöst durch die hohen Waben und der damit verbundene schlechte Wärmehaushalt im Brutraum. Während meiner Zeit als Reinzüchter der Carnica-Bienen und Besamer der Carnica-Königinnen, im Landesverband Hessischer Imker e.V. in Kirchhain, habe ich für Zuchtzwecke einige Inzucht-Völker gehalten. Auf den flachen Waben ist dabei nie eine Kalkbrut aufgetreten. Das Nichtauftreten der Kalkbrut ist auch ein Vorteil von vielen, die der Imker hat, der dieses ideale Maß benutzt: 170x420 mm. Zudem bringt die gute Isolierung meiner Zargen mit den flachen Waben und der niedrigen Raumhöhe, ein besseres und gleichmäßigeres Raumklima im Brutraum.

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